Der Immobilienmarkt in der Grafschaft Bentheim ist 2025 deutlich aktiver geworden. Vor allem die Zahl der verkauften Eigentumswohnungen hat kräftig zugenommen. Bei den Preisen zeigt sich dagegen ein differenziertes Bild. Häuser wurden im Durchschnitt teurer, während Eigentumswohnungen leicht nachgaben.
Deutlich mehr Kaufverträge
Im Jahr 2025 wurden in der Grafschaft Bentheim 1.077 Einfamilienhäuser und Zweifamilienhäuser verkauft. Das waren 83 Verkäufe oder 8,4 Prozent mehr als 2024.
Noch stärker fiel die Belebung bei Eigentumswohnungen aus. Hier stieg die Zahl der Kaufverträge um 102 auf insgesamt 501. Das entspricht einem Plus von 25,6 Prozent.
Damit hat sich die Zahl der Abschlüsse deutlich erholt. Das frühere Höchstniveau wurde allerdings noch nicht wieder erreicht. Im Jahr 2020 waren 1.157 Häuser und 614 Eigentumswohnungen gehandelt worden.
Die Daten stammen aus einer regionalen Auswertung auf Grundlage des Gutachterausschusses Niedersachsen sowie weiterer Marktquellen. Der zugrunde liegende amtliche Einzelbericht konnte bei dieser Recherche nicht unmittelbar abgerufen werden. VON POLL Marktbericht Grafschaft Bentheim 2026

Häuser teurer, Wohnungen etwas günstiger
Der durchschnittliche Kaufpreis für Einfamilienhäuser und Zweifamilienhäuser lag 2025 bei 274.188 Euro. Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg um 12.417 Euro oder 4,7 Prozent. Das bisherige Maximum von durchschnittlich 284.558 Euro aus dem Jahr 2022 wurde noch nicht wieder erreicht.
Bei Eigentumswohnungen entwickelte sich der Durchschnittspreis in die andere Richtung. Er sank um 3.563 Euro oder 1,7 Prozent auf 211.976 Euro.
Diese Durchschnittswerte lassen keine unmittelbaren Rückschlüsse auf ein einzelnes Objekt zu. Unterschiede bei Wohnlage, Baujahr, Wohnfläche, Grundstück, Ausstattung und energetischem Zustand können erheblich sein. Gerade in Nordhorn und Bad Bentheim liegen zwischen einfachen Bestandsobjekten und hochwertigen Immobilien in bevorzugten Wohnlagen große Preisspannen.
Geldumsatz erreicht neuen Höchststand
Trotz der unterschiedlichen Preisentwicklung stieg der gesamte Geldumsatz in beiden Wohnsegmenten kräftig.
Mit Einfamilienhäusern und Zweifamilienhäusern wurden 295,3 Millionen Euro umgesetzt. Das waren 35,1 Millionen Euro oder 13,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Bei Eigentumswohnungen erhöhte sich der Geldumsatz um 20,2 Millionen Euro oder 23,5 Prozent auf 106,2 Millionen Euro. Zusammen ergibt sich für beide Segmente ein Umsatz von 401,5 Millionen Euro.
Der neue Höchststand erklärt sich daher nicht allein aus steigenden Preisen. Entscheidend war vor allem die deutlich größere Zahl abgeschlossener Kaufverträge.
Bestandswohnungen preislich stabil
Bei Eigentumswohnungen zeigt die Auswertung einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 2.383 Euro im Bestand. Das waren lediglich 0,4 Prozent mehr als 2024.
Neubauwohnungen erreichten dagegen durchschnittlich 3.872 Euro je Quadratmeter. Hier betrug der Anstieg 5,2 Prozent.
Deutlich stärker bewegten sich die Angebotsmieten. Für Bestandswohnungen werden durchschnittlich 9,35 Euro je Quadratmeter genannt, ein Plus von 7,1 Prozent. Im Neubau lag der Wert bei 11,80 Euro und damit 7 Prozent über dem Vorjahr.
Bei den Mietangaben handelt es sich um Angebotswerte. Sie sind nicht mit tatsächlich vereinbarten Mieten oder mit der ortsüblichen Vergleichsmiete des qualifizierten Nordhorner Mietspiegels gleichzusetzen.
Bauwirtschaft mit gemischten Signalen
Das Statistische Bundesamt meldete am 24. Juli neue Zahlen für das Bauhauptgewerbe. Der reale Auftragseingang stieg im Mai 2026 gegenüber April um 3,3 Prozent. Gegenüber Mai 2025 betrug das Plus 3,5 Prozent.
Allerdings wurde der Anstieg gegenüber dem Vormonat vom Tiefbau getragen, der um 8,7 Prozent zulegte. Der Hochbau verlor gleichzeitig 3,1 Prozent. Im Vergleich mit Mai 2025 lag der Hochbau dagegen 6,7 Prozent höher.
Auch der reale Umsatz im Bauhauptgewerbe blieb im Mai 2,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Zahlen sprechen daher für eine vorsichtige Belebung, aber noch nicht für einen durchgängigen Aufschwung im Wohnungsbau. Eine regionale Aufschlüsselung für die Grafschaft Bentheim enthält die Veröffentlichung nicht. Statistisches Bundesamt, 24. Juli 2026
Neue Regeln für die energetische Sanierung
Seit dem 21. Juli gelten veränderte Bedingungen bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude. Die KfW hat unter anderem das Programm „Wohngebäude Kredit 261“ angepasst.
Förderfähig bleiben die Sanierung und der Kauf eines frisch sanierten Effizienzhauses. Für ein Effizienzhaus 55 mit Erneuerbare Energien Klasse nennt die KfW beispielsweise weiterhin einen Kreditbetrag von bis zu 150.000 Euro. Der Tilgungszuschuss beträgt nach den neuen Bedingungen 5 Prozent und damit maximal 7.500 Euro.
Neu zu beachten ist insbesondere ein zeitlich befristetes Kombinationsverbot. Zwischen einer Förderung für eine vollständige Effizienzhaussanierung und bestimmten geförderten Einzelmaßnahmen kann künftig eine Frist von drei Jahren liegen. Bereits zugesagte Anträge bleiben grundsätzlich unberührt. KfW, Wohngebäude Kredit 261
Ab 2027 soll außerdem die Sanierung besonders energieineffizienter Gebäude stärker berücksichtigt werden. Für bestimmte Maßnahmen an der Gebäudehülle eines sogenannten Worst Performing Buildings ist ein zusätzlicher Bonus vorgesehen. Die konkrete Förderfähigkeit sollte stets vor Vertragsabschluss mit einem qualifizierten Energieberater und der zuständigen Förderstelle geprüft werden.
Einordnung für Nordhorn und Bad Bentheim
Die neuen regionalen Zahlen zeigen vor allem eines: Der Markt ist wieder beweglicher geworden. Mehr Eigentümer haben verkauft, und mehr Käufer konnten ihre Kaufentscheidung tatsächlich finanzieren und umsetzen.
Von einem allgemeinen kräftigen Preisanstieg kann dennoch nicht gesprochen werden. Während Häuser im Durchschnitt teurer wurden, blieben die Quadratmeterpreise von Bestandswohnungen weitgehend stabil. Gleichzeitig steigen die Mieten und die Kosten für Neubau und Sanierung.
Für Nordhorn und Bad Bentheim dürfte sich die stärkere Differenzierung fortsetzen. Gepflegte Immobilien in guten Wohnlagen sowie energetisch zeitgemäße Häuser bleiben gefragt. Bei Objekten mit erheblichem Sanierungsbedarf achten Käufer genauer auf die Gesamtkosten und berücksichtigen Fördermöglichkeiten bereits bei der Kaufpreisfindung.
Fazit für Eigentümer, Käufer und Verkäufer
Eigentümer treffen wieder auf einen aktiveren Markt. Ein höherer Geldumsatz bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Immobilie im Wert gestiegen ist. Entscheidend bleiben Lage, Zustand, Energiebedarf und eine realistische Bewertung.
Käufer sollten bei älteren Gebäuden nicht nur den Kaufpreis, sondern auch Modernisierungskosten und die seit dem 21. Juli geltenden Förderbedingungen prüfen. Eine vorhandene Energieberatung kann dabei einen spürbaren finanziellen Unterschied machen.
Verkäufer profitieren von der gestiegenen Zahl der Abschlüsse. Gleichzeitig zeigt die weitgehend stabile Preisentwicklung bei Bestandswohnungen, dass überzogene Preisvorstellungen nicht durch die allgemeine Marktlage getragen werden.
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48529
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