Wenn aus wenigen Wochen viele Monate werden
Eine Immobilie steht selten mit Absicht über Jahre leer. Meist beginnt es mit einer vorübergehenden Situation: Ein Haus wurde geerbt, ein Angehöriger ist in eine Pflegeeinrichtung gezogen, nach einer Trennung ist noch keine Entscheidung gefallen oder eine geplante Modernisierung verzögert sich.
Zunächst erscheint es vernünftig, nichts zu überstürzen. Das Haus läuft nicht weg, die Wohnung bleibt erhalten und eine Entscheidung kann später getroffen werden. Doch während die Immobilie ungenutzt bleibt, laufen nicht nur die Kosten weiter. Auch der bauliche Zustand, die Versicherbarkeit und der spätere Marktwert können sich schleichend verändern.
Leerstand ist deshalb nicht immer nur eine Pause. Ohne Betreuung und einen klaren Plan kann daraus eine stille Wertvernichtung entstehen.
Nicht jede leer stehende Immobilie muss sofort verkauft oder vermietet werden. Aber jede ungenutzte Immobilie braucht regelmäßige Kontrolle, eine klare Kostenübersicht und eine realistische Entscheidungsperspektive.
Warum Immobilien überhaupt leer stehen
Die Gründe für einen Leerstand sind vielfältig. Häufig ist er nicht das Ergebnis einer bewussten wirtschaftlichen Entscheidung, sondern die Folge einer persönlichen Lebenssituation.
Typische Auslöser sind:
- eine Erbschaft, bei der mehrere Angehörige zunächst über die Zukunft der Immobilie entscheiden müssen,
- der Umzug eines Eigentümers in eine kleinere Wohnung oder eine Pflegeeinrichtung,
- eine Trennung oder Scheidung, bei der das gemeinsame Haus zunächst ungenutzt bleibt,
- ein beruflicher Umzug oder längerer Auslandsaufenthalt,
- eine geplante Sanierung, deren Beginn sich verzögert,
- ungeklärte Eigentumsverhältnisse innerhalb einer Erbengemeinschaft,
- eine zu hohe Preisvorstellung, durch die ein Verkauf über längere Zeit nicht gelingt,
- die Hoffnung, zu einem späteren Zeitpunkt einen höheren Verkaufspreis zu erzielen.
In vielen dieser Situationen ist ein kurzer Leerstand nachvollziehbar. Problematisch wird es, wenn aus einer Übergangsphase ein Zustand ohne konkreten Zeitplan wird.
Die laufenden Kosten machen keine Pause
Eine unbewohnte Immobilie verursacht weiterhin Ausgaben. Oft werden diese unterschätzt, weil keine klassische Miete oder unmittelbare Nutzung mehr gegenübersteht.
Je nach Immobilientyp können unter anderem folgende Kosten anfallen:
- Grundsteuer,
- Wohngebäude- und Haftpflichtversicherung,
- Strom-, Wasser- und Heizungsgrundgebühren,
- Hausgeld bei Eigentumswohnungen,
- nicht umlagefähige Kosten der Wohnungseigentümergemeinschaft,
- Garten- und Grundstückspflege,
- Winterdienst und Verkehrssicherung,
- Wartung von Heizung, Dach, Leitungen oder technischen Anlagen,
- Kreditraten und Zinsen,
- notwendige Reparaturen.
Bei einem Einfamilienhaus können sich selbst ohne größere Schäden schnell mehrere Hundert Euro im Monat summieren. Bei einer Eigentumswohnung läuft das Hausgeld in der Regel ebenfalls weiter – unabhängig davon, ob die Wohnung bewohnt wird.
Hinzu kommt der entgangene wirtschaftliche Nutzen. Eine Immobilie, die weder bewohnt noch vermietet oder verkauft wird, bindet Kapital, ohne einen Ertrag zu erwirtschaften.
Leerstand ist nicht automatisch kostenloses Abwarten
Manche Eigentümer betrachten das Abwarten als die risikoärmste Lösung. Tatsächlich ist auch das Nichtstun eine wirtschaftliche Entscheidung. Die laufenden Kosten, notwendige Pflege und mögliche Wertveränderungen sollten deshalb genauso betrachtet werden wie die Chancen eines Verkaufs oder einer Vermietung.
Ein Haus altert auch ohne Bewohner
Gebäude benötigen Aufmerksamkeit. Wenn niemand regelmäßig vor Ort ist, bleiben kleine Probleme häufig lange unbemerkt. Aus einer überschaubaren Reparatur kann so ein erheblicher Schaden entstehen.

Feuchtigkeit und unzureichende Lüftung
Wird eine Immobilie nicht regelmäßig beheizt und gelüftet, kann sich Feuchtigkeit in den Räumen sammeln. Besonders gefährdet sind Keller, Badezimmer, Schlafzimmer, Außenwände und Räume mit geringer Luftzirkulation.
Feuchte Stellen, muffiger Geruch oder beginnende Schimmelbildung werden in bewohnten Häusern meist früh erkannt. Bei Leerstand können sie sich dagegen über Wochen oder Monate unbemerkt ausbreiten.
Frostschäden an Leitungen
Wird die Heizung im Winter vollständig abgestellt, können Wasserleitungen bei niedrigen Temperaturen einfrieren. Platzen Leitungen, zeigt sich der Schaden möglicherweise erst beim nächsten Kontrollbesuch.
Eine geringe Grundtemperatur und regelmäßige Kontrollen können deshalb sinnvoller sein als das vollständige Abschalten der Heizungsanlage.
Unbemerkte Leitungswasserschäden
Ein defekter Anschluss, eine undichte Leitung oder eine tropfende Armatur kann innerhalb kurzer Zeit große Schäden verursachen. Ist niemand vor Ort, bleibt das austretende Wasser häufig deutlich länger unentdeckt.
Neben den direkten Reparaturkosten können Schäden an Fußböden, Wänden, Decken, Elektroinstallationen und angrenzenden Gebäudeteilen entstehen.
Dach, Fassade und Entwässerung
Lose Dachziegel, verstopfte Dachrinnen oder beschädigte Fallrohre wirken zunächst unspektakulär. Bleiben sie unbeachtet, kann Wasser in die Bausubstanz eindringen.
Gerade nach Stürmen, starkem Regen oder Frostperioden sollte eine unbewohnte Immobilie deshalb kontrolliert werden.
Schädlingsbefall
Auch Mäuse, Ratten, Marder oder Insekten können sich in wenig genutzten Gebäuden unbemerkt ausbreiten. Schäden an Dämmung, Kabeln, Holzbauteilen oder eingelagerten Gegenständen werden oft erst spät entdeckt.
Warum regelmäßige Kontrollen unverzichtbar sind
Eine leer stehende Immobilie sollte nicht nur gelegentlich von außen betrachtet werden. Sinnvoll sind dokumentierte Kontrollen in regelmäßigen Abständen.
Dabei sollten unter anderem folgende Punkte geprüft werden:
- Sind Fenster, Türen und Nebeneingänge unbeschädigt und verschlossen?
- Funktionieren Heizung und Frostschutz?
- Gibt es Feuchtigkeit, Wasserflecken oder ungewöhnliche Gerüche?
- Sind Leitungen, Armaturen und technische Anlagen dicht?
- Zeigen Dach oder Fassade sichtbare Schäden?
- Sind Briefkasten und Grundstück gepflegt?
- Gibt es Hinweise auf unbefugtes Betreten?
- Sind Gehwege und Zugänge ausreichend gesichert?
Wenn Eigentümer weit entfernt wohnen, kann die Kontrolle durch Angehörige, Nachbarn, Hausverwaltungen oder spezialisierte Dienstleister organisiert werden.
Kontrollbesuche sollten kurz dokumentiert werden. Fotos, Datum und festgestellte Auffälligkeiten helfen dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und können auch gegenüber Versicherungen wichtig sein.
Leerstand und Versicherungsschutz
Ein längerer Leerstand kann für die Gebäudeversicherung relevant sein. Versicherer kalkulieren das Risiko eines dauerhaft bewohnten Hauses anders als das eines unbewohnten Gebäudes.
Bei einer leer stehenden Immobilie steigt unter anderem das Risiko, dass:
- Schäden später entdeckt werden,
- Leitungen einfrieren,
- Einbruch oder Vandalismus unbemerkt bleiben,
- Feuer oder Wasserschäden größeren Umfang annehmen.
Eigentümer sollten deshalb frühzeitig in ihre Versicherungsbedingungen schauen und den Leerstand gegebenenfalls dem Versicherer mitteilen. Je nach Vertrag können besondere Pflichten, regelmäßige Kontrollen oder zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen sein.
Eine pauschale Aussage zum Versicherungsschutz ist nicht möglich, weil Tarife und Bedingungen unterschiedlich sind. Maßgeblich ist immer der konkrete Versicherungsvertrag.
Ein ungepflegtes Erscheinungsbild wirkt sich auf den Marktwert aus
Der bauliche Zustand ist nicht der einzige Faktor. Auch der äußere Eindruck einer Immobilie verändert sich während eines längeren Leerstands.
Typische Anzeichen sind:
- ein überfüllter Briefkasten,
- dauerhaft geschlossene Rollläden,
- ungepflegte Beete und überwachsene Wege,
- hohes Gras und ungeschnittene Hecken,
- Laub, Moos und Verschmutzungen,
- dunkle Fenster und fehlende Beleuchtung,
- sichtbare kleinere Schäden, die nicht behoben werden.
Diese Merkmale signalisieren nicht nur, dass das Haus unbewohnt ist. Sie beeinflussen auch den ersten Eindruck potenzieller Käufer.
Kaufinteressenten verbinden sichtbare Vernachlässigung häufig mit einem erhöhten Sanierungsrisiko. Selbst wenn die technische Substanz insgesamt solide ist, entsteht schnell der Eindruck, die Immobilie sei über längere Zeit nicht gepflegt worden.
Der erste Eindruck beeinflusst die Preisverhandlung
Käufer bewerten eine Immobilie nicht ausschließlich anhand von Wohnfläche, Grundstück und Lage. Sie bewerten auch, wie sorgfältig mit ihr umgegangen wurde.
Ein gepflegtes, regelmäßig kontrolliertes Haus vermittelt Sicherheit. Ein erkennbar leer stehendes und vernachlässigtes Objekt erzeugt dagegen Fragen:
- Wie lange steht das Haus bereits leer?
- Warum wurde bisher nichts unternommen?
- Gibt es versteckte Schäden?
- Wie hoch werden die Modernisierungskosten?
- Stehen die Eigentümer unter Verkaufsdruck?
Diese Unsicherheit kann dazu führen, dass Käufer vorsichtiger kalkulieren und höhere Sicherheitsabschläge in ihre Angebote einbeziehen.
Vandalismus und unbefugtes Betreten
Leer stehende Gebäude können stärker gefährdet sein, wenn von außen deutlich erkennbar ist, dass sie nicht genutzt werden. Eingeschlagene Fenster, beschädigte Türen, Graffiti oder unbefugtes Betreten sind zwar nicht bei jeder Immobilie zu erwarten, sollten aber als mögliches Risiko berücksichtigt werden.
Besonders aufmerksam sollten Eigentümer sein, wenn das Grundstück schlecht einsehbar ist, das Gebäude über längere Zeit dunkel bleibt oder sich in einer abgelegenen Lage befindet.
Mögliche Schutzmaßnahmen sind:
- regelmäßige Anwesenheit vor Ort,
- zeitgesteuerte Beleuchtung,
- zuverlässige Tür- und Fenstersicherungen,
- geleerte Briefkästen,
- Garten- und Grundstückspflege,
- Absprachen mit aufmerksamen Nachbarn,
- gegebenenfalls technische Sicherungssysteme.
Die Immobilie sollte nach außen möglichst nicht dauerhaft verlassen wirken.
Auch leer stehende Grundstücke müssen sicher sein
Eigentümer bleiben für den Zustand ihres Grundstücks und Gebäudes verantwortlich. Lose Bauteile, ungesicherte Zugänge, glatte Wege oder herabfallende Äste können Gefahren verursachen.
Auch wenn niemand in der Immobilie lebt, sollten deshalb notwendige Verkehrssicherungs- und Unterhaltungspflichten weiterhin erfüllt werden. Das gilt insbesondere für Gehwege, Zugänge, Dächer, Fassaden, Bäume und Einfriedungen.
Leerstand in Berlin: rechtliche Besonderheiten beachten
In Berlin kann längerer Leerstand von Wohnraum zusätzlich rechtliche Fragen auslösen. Das Zweckentfremdungsverbot soll vorhandenen Wohnraum schützen. Nicht jeder vorübergehende Leerstand stellt automatisch einen Verstoß dar. Je nach Dauer, Grund und konkreter Nutzung kann jedoch eine Anzeige oder Genehmigung erforderlich sein.
Eigentümer sollten deshalb nicht davon ausgehen, dass eine Wohnung oder ein Wohnhaus unbegrenzt ohne Nutzung bleiben kann. Bei längerem Leerstand empfiehlt sich eine frühzeitige Prüfung beim zuständigen Bezirksamt oder durch eine geeignete rechtliche Beratung.
Die rechtliche Bewertung hängt vom Einzelfall ab. Gründe wie Sanierung, laufende Vermarktung, ungeklärte Nachlassfragen oder eine vorübergehende Unbewohnbarkeit können unterschiedlich beurteilt werden.
Der Markt wartet nicht
Ein häufiger Grund für Leerstand ist die Hoffnung auf einen späteren, besseren Verkaufszeitpunkt. Manchmal kann Abwarten richtig sein. Es ist jedoch nicht automatisch wirtschaftlich vorteilhaft.
Während Eigentümer warten, können sich verschiedene Faktoren verändern:
- Finanzierungszinsen beeinflussen die Kaufkraft der Interessenten.
- Neue Konkurrenzangebote kommen auf den Markt.
- Der Zustand der Immobilie verschlechtert sich.
- Modernisierungs- und Handwerkerkosten können steigen.
- Die Zielgruppe verändert ihre Anforderungen.
- Der Leerstand verursacht weitere laufende Kosten.
Ein späterer höherer Verkaufspreis ist daher nicht automatisch ein höherer wirtschaftlicher Gewinn. Entscheidend ist der Nettoeffekt nach Abzug von Kosten, Instandhaltung, Finanzierung und möglichem Wertverlust.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Verursacht ein leer stehendes Haus monatlich 700 Euro für Finanzierung, Versicherungen, Energie, Grundsteuer und Pflege, entstehen innerhalb eines Jahres bereits 8.400 Euro laufende Kosten.
Kommen kleinere Reparaturen, Gartenpflege oder ein Wasserschaden hinzu, erhöht sich die Belastung entsprechend. Ein möglicher Preisvorteil durch späteres Verkaufen muss diese Kosten zunächst ausgleichen.
Deshalb sollte die Entscheidung nicht allein auf der Hoffnung beruhen, dass der Marktpreis steigt.
Warum ein zu hoher Angebotspreis Leerstand verlängern kann
Nicht jede leer stehende Immobilie wartet auf eine Entscheidung. Manche werden bereits angeboten, finden jedoch über längere Zeit keinen Käufer.
Ein häufiger Grund ist ein Angebotspreis, der deutlich über der aktuellen Zahlungsbereitschaft des Marktes liegt.
Typische Folgen einer zu hohen Preispositionierung sind:
- weniger qualifizierte Anfragen,
- lange Vermarktungsdauer,
- wiederholte Preisreduzierungen,
- Misstrauen bei Kaufinteressenten,
- zusätzliche laufende Kosten,
- ein zunehmender Eindruck, mit der Immobilie stimme etwas nicht.
Je länger ein Angebot sichtbar am Markt bleibt, desto häufiger fragen sich Interessenten, warum es noch nicht verkauft wurde. Der sogenannte Marktverbrauch kann dazu führen, dass selbst nach einer Preisreduzierung Zurückhaltung bestehen bleibt.
Eine realistische Preisstrategie zu Beginn der Vermarktung ist daher oft wirtschaftlich sinnvoller als ein sehr hoher Einstiegspreis mit späteren Korrekturen.
Wann Vermieten eine sinnvolle Lösung sein kann
Eine Vermietung kann Leerstand vermeiden und laufende Kosten teilweise oder vollständig auffangen. Sie ist insbesondere dann interessant, wenn die Immobilie langfristig gehalten werden soll und eine nachhaltige Nachfrage am Mietmarkt besteht.
Vor einer Vermietung sollten Eigentümer allerdings genau prüfen:
- Welche Nettokaltmiete ist realistisch erzielbar?
- Welche Modernisierungen sind vor der Vermietung erforderlich?
- Welche Kosten bleiben nicht umlagefähig?
- Wer übernimmt Verwaltung und Abrechnung?
- Wie wirkt sich die Vermietung auf einen späteren Verkauf aus?
- Wird die Immobilie künftig möglicherweise selbst benötigt?
Ein bestehendes Mietverhältnis kann den Kreis möglicher Käufer verändern. Besonders Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen werden häufig von Selbstnutzern gesucht. Für diese Zielgruppe ist eine frei verfügbare Immobilie meist attraktiver als ein vermietetes Objekt.
Vermieten sollte deshalb keine spontane Reaktion auf Leerstand sein, sondern Teil einer langfristigen Strategie.
Wann eine Sanierung sinnvoll sein kann
Manche Immobilien bleiben leer, weil vor Verkauf oder Vermietung zunächst modernisiert werden soll. Grundsätzlich kann eine Sanierung den Wert und die Vermarktbarkeit verbessern. Nicht jede Maßnahme rechnet sich jedoch.
Vor größeren Investitionen sollte geklärt werden:
- Welche Mängel müssen zwingend beseitigt werden?
- Welche Arbeiten verbessern lediglich die Optik?
- Welche Zielgruppe soll angesprochen werden?
- Welcher Mehrerlös ist realistisch?
- Wie lange dauert die Maßnahme?
- Welche zusätzlichen Leerstandskosten entstehen währenddessen?
Oft reichen gezielte Maßnahmen wie Entrümpelung, Reinigung, Gartenpflege, kleinere Reparaturen und ein frischer Gesamteindruck aus. Eine vollständige Sanierung vor dem Verkauf ist nicht automatisch die beste Lösung.
Wann ein Verkauf Klarheit schaffen kann
Ein Verkauf kann sinnvoll sein, wenn die Immobilie dauerhaft nicht mehr benötigt wird, die laufenden Kosten belasten oder keine realistische Vermietungsstrategie besteht.
Typische Situationen sind:
- Das geerbte Haus passt nicht zur eigenen Lebensplanung.
- Mehrere Erben wünschen eine klare Vermögensaufteilung.
- Ein Eigentümer lebt dauerhaft weit entfernt.
- Die Immobilie erfordert zunehmend Betreuung und Investitionen.
- Eine Vermietung ist organisatorisch oder wirtschaftlich nicht gewünscht.
- Das gebundene Kapital soll anderweitig genutzt werden.
Ein Verkauf bedeutet nicht, dass Eigentümer vorschnell handeln müssen. Im Gegenteil: Eine gut vorbereitete Vermarktung ermöglicht es, Unterlagen zu ordnen, kleinere Mängel zu beheben und die Immobilie zielgerichtet am Markt zu positionieren.
Verkaufen, vermieten oder halten?
| Möglichkeit | Kann sinnvoll sein, wenn … | Besonders zu beachten |
|---|---|---|
| Verkaufen | die Immobilie dauerhaft nicht benötigt wird und Klarheit geschaffen werden soll. | Marktwert, Vorbereitung, Finanzierung und steuerliche Fragen. |
| Vermieten | eine langfristige Kapitalanlage gewünscht ist und eine gute Mietnachfrage besteht. | Verwaltung, Mietrecht, Investitionen und spätere Verkaufspläne. |
| Sanieren | gezielte Maßnahmen die Nutzbarkeit oder Vermarktbarkeit deutlich verbessern. | Kosten, Dauer und realistischer Mehrwert. |
| Vorübergehend halten | eine konkrete spätere Nutzung oder Entscheidung absehbar ist. | Kontrollen, Kosten, Versicherung und klarer Zeitplan. |
Was Eigentümer bei vorübergehendem Leerstand tun sollten
Ist eine sofortige Entscheidung noch nicht möglich, sollte der Leerstand aktiv organisiert werden.
- Versicherung informieren: Prüfen Sie, ob der Leerstand gemeldet werden muss und welche Pflichten gelten.
- Regelmäßige Kontrollen organisieren: Innenräume, Leitungen, Heizung, Dach und Grundstück sollten zuverlässig überprüft werden.
- Ausreichend heizen und lüften: Frost- und Feuchtigkeitsschäden sollten vermieden werden.
- Wasserleitungen absichern: Je nach Jahreszeit und technischer Situation kann das Absperren oder Entleeren einzelner Leitungen sinnvoll sein.
- Briefkasten und Außenanlagen pflegen: Die Immobilie sollte nicht verlassen wirken.
- Sicherheitsmaßnahmen prüfen: Fenster, Türen und Nebengebäude müssen zuverlässig gesichert sein.
- Kosten dokumentieren: Laufende Ausgaben und notwendige Reparaturen sollten vollständig erfasst werden.
- Zeitplan festlegen: Bestimmen Sie einen Termin, zu dem Verkauf, Vermietung oder weitere Nutzung neu entschieden werden.
Der Wert einer Immobilie entsteht nicht allein auf dem Papier
Eigentümer orientieren sich bei der Einschätzung ihrer Immobilie häufig an Bodenrichtwerten, Vergleichsangeboten oder früheren Verkaufspreisen. Diese Informationen sind wichtig, bilden jedoch nicht das vollständige Bild.
Der tatsächlich erzielbare Marktpreis hängt auch davon ab, wie die Immobilie zum Zeitpunkt des Verkaufs wahrgenommen wird.
Ein gepflegtes, gut vorbereitetes und frei verfügbares Haus kann auf Käufer anders wirken als dieselbe Immobilie nach zwei Jahren Leerstand, ungepflegtem Garten und sichtbarem Reparaturstau.
Leerstand senkt nicht automatisch den Wert einer Immobilie. Entscheidend ist, wie lange er dauert, wie gut das Gebäude betreut wird und welche Schäden oder Unsicherheiten dadurch entstehen.
Eine neutrale Bewertung schafft Entscheidungsgrundlagen
Bevor Eigentümer größere Investitionen tätigen oder sich für Verkauf beziehungsweise Vermietung entscheiden, ist eine realistische Einschätzung der Ausgangslage sinnvoll.
Dabei sollten insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:
- Welchen Marktwert besitzt die Immobilie im aktuellen Zustand?
- Welche Zielgruppe kommt als Käufer oder Mieter infrage?
- Welche Maßnahmen sind vor einer Vermarktung sinnvoll?
- Welche Investitionen würden sich voraussichtlich nicht auszahlen?
- Wie entwickeln sich laufende Kosten bei weiterem Leerstand?
- Welche Strategie bietet das beste Verhältnis aus Aufwand, Risiko und Ertrag?
Eine Marktpreiseinschätzung ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder technische Beratung. Sie kann jedoch helfen, die verschiedenen Möglichkeiten wirtschaftlich miteinander zu vergleichen.
Auf einen Blick: Die größten Risiken längeren Leerstands
- laufende Kosten ohne Nutzung oder Einnahmen,
- Feuchtigkeit, Schimmel und Frostschäden,
- verspätet entdeckte Wasser- oder Gebäudeschäden,
- mögliche Einschränkungen oder Pflichten beim Versicherungsschutz,
- Vandalismus und unbefugtes Betreten,
- ungepflegter Gesamteindruck,
- sinkendes Käufervertrauen,
- längere Vermarktungsdauer,
- verpasste Marktchancen,
- rechtliche Fragen bei längerem Wohnungsleerstand.
Fazit: Jede ungenutzte Immobilie braucht einen Plan
Nicht jede leer stehende Immobilie muss sofort verkauft werden. Es gibt gute Gründe, eine Entscheidung zunächst aufzuschieben. Problematisch wird Leerstand erst dann, wenn niemand die Kosten, den Zustand und die weitere Entwicklung im Blick behält.
Aus wenigen Monaten können schnell Jahre werden. Währenddessen laufen Ausgaben weiter, kleinere Schäden bleiben unentdeckt und die Immobilie verliert möglicherweise an Attraktivität.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Verkaufen oder vermieten?
Sie lautet zunächst:
Welche Nutzung ist für diese Immobilie langfristig sinnvoll – und bis wann soll darüber entschieden werden?
Wer frühzeitig einen klaren Plan entwickelt, kann Schäden vermeiden, Kosten begrenzen und den Wert der Immobilie besser erhalten.
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