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Mieten im Emsland steigen um 43,5 Prozent: Was die Entwicklung für Lingen und die Region bedeutet

31. Juli 2026 · Autor: Holger Klages


Moderne Mehrfamilienhäuser mit Balkonen und eine Wohnstraße mit Backsteinhäusern in Lingen im Emsland, dazu die Textgrafik „Mieten im Emsland +43,5 % seit 2020 – Angebotsmieten" mit steigender Kurve


Der Wohnungsmarkt im Emsland hat sich verändert. Während die Region lange für vergleichsweise moderate Immobilien- und Mietpreise stand, zeigt eine aktuelle Auswertung eine andere Entwicklung.

Nach Zahlen, über die der NDR im Juli 2026 berichtet, sind die Angebotsmieten in Niedersachsen zwischen 2020 und 2025 durchschnittlich um 24,7 Prozent gestiegen. Im Jahr 2025 wurden landesweit durchschnittlich 9,69 Euro pro Quadratmeter verlangt.

Im Landkreis Emsland fiel der Anstieg deutlich stärker aus: Die Angebotsmieten erhöhten sich innerhalb von fünf Jahren um 43,5 Prozent auf durchschnittlich 9,79 Euro pro Quadratmeter. Nur im Landkreis Cuxhaven war der prozentuale Anstieg noch größer.

Die Entwicklung in Zahlen

+43,5 %
Anstieg der Angebotsmieten im Landkreis Emsland (2020–2025)
9,79 €
Durchschnittliche Angebotsmiete pro m² im Emsland (2025)
+24,7 %
Anstieg landesweit in Niedersachsen im selben Zeitraum
+4,5 %
Bevölkerungswachstum in 14 untersuchten Kommunen seit 2019

Damit ist eine Entwicklung auch statistisch sichtbar, die wir auf dem regionalen Immobilienmarkt bereits seit einiger Zeit beobachten: Guter Mietwohnraum ist auch im Emsland zunehmend gefragt.

Warum steigen die Mieten im Emsland so stark?

Einen einzelnen Grund für diese Entwicklung gibt es nicht. Vielmehr treffen mehrere Faktoren gleichzeitig aufeinander.

Das Emsland ist wirtschaftlich stark, als Wohnstandort beliebt und in den vergangenen Jahren weiter gewachsen. Im 2025 aktualisierten Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises wird für die 14 darin untersuchten Kommunen seit 2019 ein Bevölkerungswachstum von 4,5 Prozent ausgewiesen – deutlich mehr als im niedersächsischen Landesdurchschnitt. Lingen, Meppen, Papenburg und Haren sowie die Samtgemeinde Spelle sind in dieser konkreten Untersuchung nicht enthalten, da für diese Kommunen eigene Konzepte bestehen.

Mehr Einwohner bedeuten zunächst mehr Nachfrage nach Wohnraum. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an diesen Wohnraum.

Kleinere Haushalte, Singles, Paare und eine älter werdende Bevölkerung benötigen andere Wohnformen als die klassische Familie im Einfamilienhaus. Gefragt sind unter anderem kompakte Wohnungen, moderne Zwei- und Dreizimmerwohnungen sowie barrierearme beziehungsweise altersgerechte Immobilien.

Gerade bei kleinen Mietwohnungen bis 60 m² stellt das Wohnraumversorgungskonzept für den untersuchten Teil des Landkreises ein Missverhältnis fest: Besonders Wohnungen im unteren und mittleren Preissegment stoßen auf großes Interesse, gleichzeitig gibt es in dieser Größenklasse vergleichsweise wenige Angebote.

Lingen zeigt besonders gut, wie sich der Wohnungsmarkt verändert

Auch in Lingen (Ems) ist diese Entwicklung spürbar.

Die Stadt verbindet Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Hochschulangebote, medizinische Versorgung und Freizeitmöglichkeiten mit kurzen Wegen. Entsprechend attraktiv ist Lingen nicht nur für Familien, sondern ebenso für Berufstätige, Studenten, Paare und Senioren.

Während das Einfamilienhaus in und um Lingen weiterhin eine große Bedeutung besitzt, wächst parallel die Nachfrage nach gut gelegenen Wohnungen.

Besonders Immobilien in innenstadtnahen Lagen oder mit guter Infrastruktur können von dieser Entwicklung profitieren. Entscheidend sind dabei jedoch nicht allein Lage und Wohnfläche. Auch ein zeitgemäßer Grundriss, ein guter energetischer Zustand, Balkon oder Terrasse, Stellplatzmöglichkeiten und eine moderne Ausstattung beeinflussen die Vermietbarkeit erheblich.

Dass der Mietwohnungsmarkt eine zunehmende Bedeutung besitzt, zeigt auch der qualifizierte Mietspiegel 2026 der Stadt Lingen. Er wurde auf Basis einer repräsentativen Erhebung nicht preisgebundener Wohnungen erstellt und dient Mietern und Vermietern als Orientierung zur ortsüblichen Vergleichsmiete. Faktoren wie Lage, Art und Ausstattung der Wohnung werden dabei berücksichtigt.

9,79 Euro pro Quadratmeter heißt nicht: Jede Wohnung kann so vermietet werden

Bei der Interpretation der aktuellen Zahlen ist allerdings Vorsicht geboten.

Die genannten 9,79 Euro pro Quadratmeter sind eine durchschnittliche Angebotsmiete für den gesamten Landkreis Emsland. Es handelt sich also um die Preise, mit denen Wohnungen am Markt angeboten wurden.

Wichtig einzuordnen

Der Durchschnittswert bedeutet nicht, dass jede Bestandswohnung im Emsland heute für 9,79 Euro pro Quadratmeter vermietet ist oder problemlos zu diesem Preis neu vermietet werden kann. Zwischen einer modernen Wohnung in zentraler Lage von Lingen und einer älteren Wohnung in einer kleineren Gemeinde können erhebliche Unterschiede bestehen. Auch Wohnungsgröße, Baujahr, Modernisierungszustand, Energieeffizienz, Ausstattung und Mikrolage wirken sich auf den erzielbaren Mietpreis aus.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Unterschied: Angebotsmiete und ortsübliche Vergleichsmiete sind nicht dasselbe.

Während Angebotsmieten zeigen, zu welchen Preisen Immobilien aktuell auf den Markt gebracht werden, dient beispielsweise der qualifizierte Mietspiegel der Stadt Lingen zur Ermittlung der ortsüblichen Vergleichsmiete. Gerade bei bestehenden Mietverhältnissen können daher ganz andere Werte relevant sein.

Eine pauschale Aussage wie „Im Emsland kostet eine Mietwohnung inzwischen 9,79 Euro pro Quadratmeter“ wäre deshalb fachlich falsch.

Neubauwohnungen werden benötigt – sind aber teuer geworden

Ein zusätzlicher Faktor für die steigenden Mieten sind die Rahmenbedingungen im Neubau.

Baukosten, Grundstückspreise, energetische Anforderungen und Finanzierungskosten haben die Realisierung neuer Wohnprojekte deutlich anspruchsvoller gemacht.

Für Investoren muss sich ein Neubau wirtschaftlich rechnen. Steigen die Kosten für Grundstück, Bau und Finanzierung, müssen auch entsprechend hohe Mieten erzielt werden können.

Gleichzeitig haben die höheren Finanzierungskosten der vergangenen Jahre dazu geführt, dass Haushalte, die ursprünglich den Erwerb oder Neubau eines Eigenheims geplant hatten, diesen Schritt teilweise verschoben haben. Sie bleiben länger auf dem Mietmarkt und erhöhen dort zusätzlich die Nachfrage.

So entsteht ein klassischer Effekt: Mehr Nachfrage trifft in bestimmten Segmenten auf ein begrenztes Angebot.

Was bedeutet die Entwicklung für Eigentümer?

Für Eigentümer einer Wohnung oder eines Mehrfamilienhauses ist der Mietanstieg zunächst eine positive Nachricht.

Ein nachgefragter Mietmarkt kann für eine gute Vermietbarkeit, geringere Leerstandsrisiken und langfristig interessante Ertragsperspektiven sorgen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Eigentümer bestehende Mieten automatisch an aktuelle Angebotsmieten anpassen können.

Insbesondere bei bestehenden Mietverhältnissen müssen die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Mieterhöhung berücksichtigt werden. In Lingen bietet der qualifizierte Mietspiegel dafür eine wichtige Orientierung.

Vor einer Neuvermietung lohnt ebenfalls eine genaue Analyse. Eine zu niedrige Miete verschenkt langfristiges Ertragspotenzial. Eine deutlich über dem Markt angesetzte Miete kann dagegen die Vermarktungsdauer verlängern und die Auswahl geeigneter Mieter erschweren.

Die entscheidende Frage

Nicht: „Wie hoch ist die durchschnittliche Miete im Emsland?“ – sondern: „Welche Miete ist für genau diese Immobilie an genau diesem Standort nachhaltig am Markt erzielbar?“

Interessante Entwicklung für Kapitalanleger

Auch für Kapitalanleger sind die Zahlen bemerkenswert.

Das Emsland galt lange als Region, in der der Fokus bei Immobilieninvestitionen vor allem auf vergleichsweise günstigen Kaufpreisen lag. Mit steigenden Mieten gewinnt zunehmend auch die Ertragsseite an Bedeutung.

Dabei können vor allem Immobilien interessant sein, die eine breite und langfristige Nachfrage ansprechen: gut geschnittene Zwei- und Dreizimmerwohnungen, moderne oder modernisierte Bestandsimmobilien, barrierearme Wohnungen sowie Immobilien in gut angebundenen und infrastrukturell starken Lagen.

Eine steigende Miete allein macht eine Immobilie jedoch noch nicht zu einer guten Kapitalanlage. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

  • Kaufpreis und tatsächliche Jahresnettokaltmiete
  • Mietsteigerungspotenzial
  • nicht umlagefähige Kosten und Instandhaltungsbedarf
  • energetischer Zustand und mögliche Investitionen
  • langfristige Vermietbarkeit


Erst aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren lässt sich beurteilen, ob Kaufpreis und Rendite zueinander passen.

Nicht jeder Teil des Emslandes entwickelt sich gleich

Gerade bei Immobilien ist der Blick auf Durchschnittswerte allein selten ausreichend.

Der Landkreis Emsland erstreckt sich über eine große Fläche und umfasst sehr unterschiedliche Immobilienmärkte. Die Nachfrage in Lingen, Meppen, Papenburg oder Haren lässt sich nicht ohne Weiteres mit kleineren ländlichen Gemeinden vergleichen.

Und selbst innerhalb Lingens können wenige Kilometer einen Unterschied machen. Innenstadtlage, Darme, Laxten, Schepsdorf oder andere Ortsteile sprechen teilweise unterschiedliche Zielgruppen an. Die Nachfrage nach einer modernen Zweizimmerwohnung ist zudem eine andere als die nach einer großen Vierzimmerwohnung für eine Familie.

Deshalb müssen Mietpreise immer lokal und objektspezifisch betrachtet werden.

Unser Fazit: Der Mietwohnungsmarkt im Emsland gewinnt weiter an Bedeutung

43,5 Prozent höhere Angebotsmieten zwischen 2020 und 2025 sind ein deutliches Signal.

Der Emsländer Wohnungsmarkt verändert sich. Die Region wächst, Wohnbedürfnisse verändern sich und in bestimmten Segmenten trifft eine hohe Nachfrage auf ein begrenztes Angebot. Gleichzeitig erschweren gestiegene Bau- und Finanzierungskosten die schnelle Schaffung zusätzlichen Wohnraums.

Für Mieter bedeutet das einen zunehmenden Wettbewerb um attraktive Wohnungen. Für Eigentümer ergeben sich gute Voraussetzungen für die Vermietung – gleichzeitig wird eine professionelle und marktgerechte Mietpreisfindung wichtiger. Und für Kapitalanleger zeigt die Entwicklung, dass sich ein genauer Blick auf den Immobilienmarkt in Lingen und dem Emsland weiterhin lohnen kann.

Sie besitzen eine Immobilie in Lingen oder im Emsland?

Sie möchten wissen, welcher Mietpreis für Ihre Wohnung aktuell realistisch ist, wie sich Ihre Immobilie am Markt positioniert oder welchen Wert Ihr Haus, Ihre Wohnung oder Ihr Mehrfamilienhaus heute hat? Eine fundierte Einschätzung sollte nicht auf pauschalen Quadratmeterpreisen beruhen – Lage, Zustand, Ausstattung, energetische Qualität, Grundstück, Wohnfläche und die konkrete Nachfrage vor Ort beeinflussen Immobilienwert und erzielbare Miete erheblich.

VON POLL IMMOBILIEN Lingen begleitet Eigentümer in Lingen und im Emsland bei der Bewertung, Vermietung und dem Verkauf von Immobilien – mit regionaler Marktkenntnis und einer individuellen Betrachtung der jeweiligen Immobilie.

Immobilie unverbindlich einschätzen lassen

Quellen: Grundlage sind unter anderem die vom NDR am 24. Juli 2026 veröffentlichten Zahlen zur Entwicklung der Angebotsmieten in Niedersachsen (ndr.de), das Wohnraumversorgungskonzept 2025 des Landkreises Emsland (Pressemitteilung) sowie der qualifizierte Mietspiegel 2026 der Stadt Lingen (Ems).

Emsland
Holger Klages
Geprüfter freier Sachverständiger für Immobilienbewertung (WertCert®) & Immobilienmakler (IHK)
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49808 Lingen/Ems
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Holger Klages [Geprüfter freier Sachverständiger für Immobilienbewertung (WertCert®), Bachelor of Arts (B.A.), Immobilienmakler (IHK)]

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